Das Kunsten Museum of Modern Art, so wie wir es heute kennen, wurde 1972 in der Kong Christians Allé eröffnet. Nach fast 40 Jahren war der Traum von einem neuen Museumsgebäude endlich wahr geworden.
Im Jahr 1958 wurde ein Architekturwettbewerb für die Gestaltung des damaligen Nordjyllands Kunstmuseum ausgeschrieben. Dies war der Beginn einer neuen Ära in der alten Industriestadt Aalborg - jetzt sollte die Kultur Vorrang haben!
Spannendes Angebot aus Finnland
Das Bewerbungsverfahren brachte unter anderen einen Wettbewerbsvorschlag aus Finnland, der sehr aufregend war: Was für eine Vorstellung, dass eine Stadt wie Aalborg die Aufmerksamkeit eines weltberühmten Meisterarchitekten aus Finnland auf sich ziehen könnte! Alvar Aalto gewann den Wettbewerb in Zusammenarbeit mit seiner Frau Elissa Aalto und dem dänischen Architekten Jean-Jacques Baruël, der zu dieser Zeit in Alvar Aaltos Büro arbeitete. Bei der Auswahl des Angebots von Aalto wurde besonderer Wert auf die Interaktion des Gebäudes mit seiner Umgebung und den Fensterpartien gelegt, die den Blick auf den umliegenden Park in der alten Kiesgrube freigeben würden.
Flexibilität und Klarheit
Das Museum wurde 1969-1972 aus weißem Marmor mit Details aus Rotholz, Esche, Kupfer und Messing gebaut. Das Interieur wurde so gestaltet, dass sich die Besucher - ob jung oder alt – von Beginn an leicht zurechtfinden konnten. Generell war eine von Aaltos Hauptideen, dass das Gebäude sehr flexibel sein sollte: Die beweglichen Wände sollten es ermöglichen, Größe und Form der Räume nach Bedarf verändern zu können.
Das Museumsgebäude heute
Auf Straßenebene beherbergt das Museum heute ein Foyer, einen Museumsshop, eine Bibliothek, zwei offene Ausstellungsbereiche und zwei Ausstellungssäle. Auf der Ebene des Skulpturenparks befinden sich das Museumscafé, der 2016 eröffnete neue Ausstellungssaal, ein Auditorium, Garderobe, Bibliothek, Büros, Lagerräume und Werkstatt. Die Gesamtfläche des Museums beträgt etwa 6000 qm, wovon die Ausstellungsfläche etwa 2500 qm beträgt.
Während seiner gesamten Schaffensphase hat Alvar Aalto das Prinzip des Gesamtkunstwerks kultiviert - in dem Architektur, Design und Kunst zusammenfließen und sich zu einem Gesamtwerk vereinen. Dies gilt in hohem Maß auch für das von Aalto geschaffene Kunsten-Gebäude.
Produkte mit demokratischem Design
Aalto entwarf nicht nur preisgekrönte Gebäude, sondern auch Designprodukte, die im Laufe der Zeit zu Klassikern geworden sind. Zwar wurden seine Designprodukte oft für bestimmte Gebäude entworfen, aber viele seiner Produkte werden auch heute noch produziert und verkauft. Wenn Aaltos Gebäude heute zur exklusiven Weltklasse gezählt werden, sind die Möbel „demokratisch": Aaltos Ziel war es, durch Massenproduktion Möbel für viele Menschen zu erschwinglichen Preisen zu schaffen.
Anerkanntes Design
Aalto beherrschte sowohl das Exklusive als auch das Populäre. In den 1970er-Jahren war Dänemark der größte Möbelauftraggeber des finnischen Architekten, so dass Sie wahrscheinlich schon einige von Aaltos Möbeln in Privathäusern gesehen haben. Insbesondere für den Paimio-Stuhl und die Savoy-Vase, die auch als Aalto-Vase bekannt ist, hat Aalto weltweite Anerkennung gefunden. Aaltos Designprodukte haben Kultcharakter und wurden in einigen der größten Museen der Welt ausgestellt, so wie im Museum of Modern Art in New York und dem Kunstgewerbemuseum in Zürich.
Erleben Sie das Design im Museum
Im Kunsten finden Sie sowohl Designprodukte, die für das Gebäude entworfen wurden, als auch Produkte, die zur Zeit der Entstehung des Museums in Massenproduktion hergestellt wurden und immer noch werden. Viele davon können Sie bei einem Besuch im Museum erleben und ausprobieren - von Möbeln, Tischen, Stühlen und Lampen bis hin zu kleineren Gebrauchsgegenständen wie Vasen, Kerzenständern und Schneidebrettern. All dies trägt dazu bei, das ganzheitliche Erlebnis des Gebäudes zu untermauern, das Aalto mit seinem Werk anstrebte.
Mit dem neuen Kunstmuseum in Nordjütland entstand 1972 nicht nur ein neues Gebäude, sondern auch ein Stück Architektur von internationalem Rang, bei dem das Licht eine ganz besondere Rolle spielt.
Das Kunsten Museum of Modern Art ist ein Meisterwerk der modernen Architektur, das von Alvar Aalto unter Mitwirkung von Elissa Aalto und Jean-Jacques Baruël entworfen wurde. Es ist das einzige Gebäude in Dänemark und das einzige Kunstmuseum der Welt, das von dem weltberühmten finnischen Architekten entworfen wurde.
Licht steht im Mittelpunkt
Das Museum ist unter anderem für sein spektakuläres Licht berühmt. Aalto achtete sehr auf das Tageslicht und die Art und Weise, wie es durch Fenster und Oberlichtkonstruktionen auf die Werke reflektiert wird.
„Was die Akustik für einen Konzertsaal ist, ist das Licht für ein Kunstmuseum". So lautete der Titel des Vorschlags der drei Architekten, die 1958 den Zuschlag für den Entwurf des Museums erhielten. Wenn man das Museum betritt, bemerkt man sofort, wie das Licht mit den Werken, dem Interieur, der Einrichtung und dem Äußeren interagiert.
Natürliches Licht in den Sälen
Die meisten Ausstellungsräume des Museums werden so weit wie möglich mit natürlichem Licht beleuchtet - indirektem Licht, damit die direkten UV-Strahlen die Kunstwerke nicht beschädigen. Das gesamte Gebäude ist so konzipiert, dass das Licht sanft gestreut wird. Schauen Sie in den Räumen nach oben, die Oberlicht haben und sehen Sie, wie das Tageslicht durch die Oberlichtfenster eingefangen wird und auf die gewölbten Deckenkonstruktionen trifft, die verhindern, dass direktes, grelles Licht auf die Werke fällt.
Künstliches Licht zur Ergänzung
Das Tageslicht wird durch künstliche Lichtquellen ergänzt, sowohl für den sensorischen Effekt als auch aus ganz praktischen Gründen: Sie sollen die Werke auch an einem dunklen Novembertag genießen können. Doch künstliche Lichtquellen können mehr als nur dunkle Räume erhellen. Sie sind mit äußerster Präzision platziert, um auch das natürliche Licht, das in den Raum fällt, diffuser zu machen.
Innenräume unterstützen das Licht
Alle Einrichtungsgegenstände und Materialien im Kunsten wurden mit dem Ziel ausgewählt, das Licht wenn man so will zu unterstützen. Beachten Sie zum Beispiel, wie das Licht von den polierten Marmoroberflächen der Böden reflektiert wird. Auch die Lampen des Museums wurden von Aalto oder Baruël entworfen. Die Lampen sehen sehr unterschiedlich aus, aber sie sind alle so konzipiert, dass sie ein diffuses, weiches Licht abgeben. Ein gutes Beispiel ist die Stehlampe in der Bibliothek, die durch die weißen Lamellen ein diffuses Licht abgibt.
Der Skulpturenpark des Kunsten wurde wie auch das Gebäude von Alvar Aalto entworfen. Wie Sie feststellen werden, gibt es eine klare Verbindung zwischen Aaltos Architektur und dem Design innerhalb des Gebäudes auf der eine Seite und dem Skulpturenpark auf der anderen Seite.
Die Bibliothek soll ein „Raum der Kontemplation" sein und ist, wie der Volksmund sagt, der asozialste Raum im Kunsten. Der Raum ist so konzipiert, dass man dort sitzen und die Bücher des Museums lesen oder einen Film ansehen kann. Während überall sonst im Museum die Leute hingehen und gemeinsam über das Erlebte sprechen, herrscht in der Bibliothek eine ganz besondere Ruhe.
Die Bibliothek des Kunsten ist die größte Kunstbibliothek außerhalb von Kopenhagen, sie enthält Zeitungsausschnitte und eine große Auswahl an Büchern über Kunst und Kunstbücher, die sich auf das beziehen, was Sie in den Ausstellungen erleben können. Die Bibliothek bietet auch Bücher an, die für sich genommen kleine Kunstwerke sind und nur in wenigen Exemplaren erscheinen.
Aalto Showroom
Alvar Aalto entwarf den Saal als unregelmäßiges Vieleck mit einer einzigartigen Betonkonstruktion mit vier fächerförmigen Oberlichtern. So fällt das Licht durch ein Fenster im oberen Bereich in den Saal, von dem aus man einen kleinen Blick auf die lange Marmorwand hat. Im Laufe der Jahre diente die Halle als eine Art „Aalto Showroom", da alle hier befindlichen Möbel und Lampen ebenfalls von Alvar Aalto entworfen wurden.
Vom Musiksaal zur Bibliothek
Der Saal hat verschiedene Phasen durchlaufen, um zu dem zu werden, was er heute ist. Ursprünglich war der Raum als Kammermusiksaal gedacht, und um seine Akustik zu verbessern, wurden der Boden mit Parkett ausgelegt und die Wände mit Vorhängen nach den Plänen der Architekten verkleidet. Später wurde der Raum zu einem Kinderkunstmuseum, dann zu einem Kino, nochmal später war hier ein Kunstlabor und jetzt hat hier die Bibliothek eine Heimat gefunden.
Nach den Originalplänen von Alvar Aalto sollten im Obergeschoss des Museums alle Ausstellungssäle untergebracht werden. Heute gibt es im Kunsten fünf einzigartige Ausstellungssäle, vier oberirdische und einen im Untergeschoss.
Im Kunsten kreisen die internen Abläufe - und damit die Bewegung der Besucher - um die hohe zentrale Halle, den Großen Saal in der Mitte des Museums, dann folgen etwas peripherer die Oberlicht- und Seitenlichtsäle. Ganz so, wie es sich Alvar Aalto in den 1960er Jahren vorgestellt hatte.
Ursprünglich gab es nur vier Säle - aber während der Restaurierung des Museums in den Jahren 2014 bis 2016 wurde im Erdgeschoss ein Ausstellungssaal hinzugefügt, der Neue Saal, der einen noch besseren Flow durch die Etagen des Gebäudes ermöglicht und Café, Werkstätten und Ausstellungssäle noch enger miteinander verbindet.
Die meisten Säle des Museums sind nach der Funktion des Lichts in ihnen benannt. Das Licht ist von Raum zu Raum sehr unterschiedlich - es variiert je nach Position der Fenster, der vier Himmelsrichtungen und der Jahreszeit.
Lesen Sie im Folgenden mehr über die einzelnen Räumlichkeiten.
Dieser Saal wurde ursprünglich Skulpturensaal genannt, da er für die Ausstellung von Skulpturen gedacht war. Bei der Konzeption des Museums war die Bildhauerei eine der besonders wichtigen Ausdrucksformen! Alle Fenster im Kleinen Saal sind nach Norden ausgerichtet, so dass kein direktes Sonnenlicht einfällt. An bewölkten Tagen ist das Licht im Inneren kühler und blauer, was sich besonders für die Präsentation von Skulpturen eignet.
Heute wird der Saal für alle Arten von Ausstellungen genutzt - zum Beispiel, wie jetzt, für Michelangelo Pistolettos Spiegelinstallation „Eleven Less One", die zu einem ständigen Werk im Saal geworden ist.
An der Rückseite des Kleinen Saals befindet sich eine große Schiebetür, die zur Seite gezogen werden kann, um eine offene Verbindung zum Großen Saal zu schaffen. Auf diese Weise können die beiden Räume gemeinsam Platz für noch größere Ausstellungen bieten.
Vor der Restaurierung von Kunsten in den Jahren 2014-16 bestand großer Bedarf an einem neuen Saal, einem flexiblen Raum mit einem hohen Sicherheitsniveau in Bezug auf Diebstahl, Licht und Klima. Der Neue Saal wurde 2016 mitten im „Bauch" des Museums eingerichtet und enthält heute alles, was das Museum und die Öffentlichkeit sich gewünscht haben.
In diesem Raum kann der Ausstellung, die „der einzige Star" sein darf, maximale Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Beleuchtung kann gesteuert werden und eine bestimmte Stimmung oder Szenografie unterstützen. Der Raum kann auch vollständig abgedunkelt werden, um beispielsweise Videoinstallationen zu zeigen, die in einem ganz oder teilweise abgedunkelten Raum erlebt werden müssen. Da es möglich ist, das Licht vollständig auszuschalten, eignet sich der Neue Saal auch für die Ausstellung lichtempfindlicher Werke, wie z. B. Arbeiten auf Papier.
Die Neue Halle ist sehr flexibel, da Wände frei gestellt werden können, ohne durch die Architektur und die architektonischen Linien des Gebäudes eingeschränkt zu werden. Die Neue Halle hat einen Betonboden, so dass bei Bedarf auch sehr schwere Gegenstände in die Halle gebracht werden können.
In diesen Räumen kommt das Licht nur von oben. Zurzeit füllt ein Labyrinth von Werken den größten Teil der Säle, ohne es wäre es eine einzige große Freifläche. Die Oberlichtsäle im Obergeschoss sind sehr charakteristisch für die modernistische Architektur. Sie wirken fast schwebend mit Säulen und Flächen in Weißtönen, die sich überschneiden und den Saal leicht und lebendig machen.
Ein weiteres Charakteristikum der Säle ist ihre äußerst flexible Ausstellungsfläche. So können Trennwände an verschiedenen Stellen aufgestellt werden, wie es derzeit zwischen den Ausstellungen „Let's Match“ und „Let's Get Lost“ der Fall ist. Die Wände können so verschoben werden, dass ein offener Raum entsteht.
In der Regel sind die permanenten Werke des Museums in den Oberlichtsälen ausgestellt, aber es gibt auch Platz für Wechselausstellungen. Die Absicht des Labyrinths in den Oberlichtsälen ist die Möglichkeit zur Präsentation von Werken aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Epochen: Cobra-Kunst, surrealistische Kunst aus den 1930er Jahren, Pop-Art, dänische Kunst der Gegenwart und internationale Kunst machen die Erkundung der Sammlung zu einem Erlebnis.
Das Labyrinth umfasst auch zwei Aktivitätsräume für Kinder, in denen sie z.B. im Stil der Cobra-Künstler die Wände bearbeiten können. Im zweiten Raum müssen verschiedene Formen zu Skulpturen zusammengesetzt werden, die u. a. von Robert Jakobsen inspiriert sind. Die Zimmer sind für Familien mit Kindern gedacht, ganz zur Freude von Kindern, die es lieben, aktiv zu sein. Die Aktivitätsräume bringen die Menschen auch dazu, mehr über die Kunst, die sie sehen, zu sprechen. Die kleinen Räume sind dafür bestens geeignet, ihre Intimität erlaubt es den Menschen, miteinander zu reden ohne Angst haben zu müssen, andere zu stören.
Die Seitenlichtsäle bestehen aus sieben „intimen" Sälen, in die das Licht von der Seite einfällt und von denen aus man einen Blick auf den Wald und das Amphitheater hat. So können Besucher beim Betrachten der Werke zugleich die Natur erleben - was auch die Intention des Gebäudes war: Architektur und Natur sollten in einem spielerischen Dialog miteinander stehen. Dieser ist deutlich spürbar, wenn man durch die Seitenlichtsäle geht.
Die gesamte Architektur des Museums ist so konzipiert, dass man sich zum Großen Saal hin orientiert - früher bekannt als der Zentrale Saal. Wenn man das Museum durch die dunklen Türen und den Eingang betritt, ist es relativ dunkel. Aber je weiter man sich in dem Gebäude bewegt, desto mehr kommt das Licht ins Spiel. Schon in der Eingangshalle wird es deutlich heller, und das Licht bekommt immer mehr Kraft, wenn man durch die Seitensäle und die Oberlichtsäle in den Großen Saal kommt, dessen Decken hoch sind und wo sich alles öffnet. Der Große Saal ist ein gutes Beispiel dafür, wie Aalto mit Licht arbeitete. Vergessen Sie nicht, nach oben zu schauen!
Der Große Saal wurde seit 2007 zweimal modifiziert. So wurden sicherheitstechnische Verbesserungen als auch ein deutliches Upgrade des Erscheinungsbildes vorgenommen. Nach der Restaurierung wurden der Marmor poliert, die Wände mit neuem Leinen verkleidet und alles frisch gestrichen.
Der Große Saal wird hauptsächlich für Wechselausstellungen genutzt. Viele Künstler verlieben sich in den Großen Saal und wollen gerade hier wegen der Lichtverhältnisse und der Größe des Raumes ausstellen.
Fun fact:
Bei der einen Tür, dort, wo man den Raum von der Lobby aus betritt und um die Ecke gehen muss, befinden sich drei Löcher in der Wand. Hinter diesen drei kleinen Löchern befindet sich ein Projektorraum, denn ursprünglich sollten im Großen Saal Filme gezeigt werden können.